21.11.2006 / 2 Kommentare

Zeit der Besinnung

Zumindest in manchen Medien gelangt man so langsam, nachdem erste Reflexe in der Schuldfrage wieder auf Computerspiele abzielten, zu einer differenzierteren Betrachtung.
eine kleine Auswahl:

Hilflose Gewalt (Zeit.de)

Nach dem Amoklauf eines Schülers in Emsdetten sollten wir uns Zeit nehmen nachzudenken, warum junge Menschen so verzweifeln, dass sie zu solcher Gewalt greifen.

Die unnützen Reflexe überforderter Politiker (Welt.de)

Nach dem Amoklauf an einer Realschule in Emsdetten will Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann mit einer Bundesratsinitiative ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen erreichen. Andere Politiker unterstüzten dies. “Verbot! Verbot! Verbot!” Eine altbekannte Reaktion, die keinem hilft.

Rohrkrepierer gegen Ballerspiele (Spiegel.de)

Der Amoklauf von Emsdetten war kaum beendet, da war für viele Politiker bereits klar: Killerspiele haben Sebastian B. zur Gewalt verführt. Sie müssten jetzt endlich verboten werden. Eine Forderung, die so hilf- wie wirkungslos ist. Experten sind sich einig: Kein Spiel macht ein Kind zum Mörder.

Müssen “Killerspiele” verboten werden? (Stern.de)

Ein Verbot löst nicht das Grundproblem! … Der Fall macht einmal mehr erschreckend deutlich, woran es jungen Menschen häufig fehlt: ein Umfeld, welches sich für ihren Alltag interessiert. Sie auffängt, aufbaut, erzieht und sie umsorgt.

“Ich hasse es, überflüssig zu sein” (Telepolis.de)

Die erwartbaren Reaktionen und Verdächtigen: Wieder einmal wird die Ursache des Amoklaufs in Emsdetten bei den “Killerspielen” gesucht

“Ich will R.A.C.H.E” (Telepolis.de)

Der vollständige Abschiedsbrief, den Sebastian B. im Internet hinterlassen hat, bevor er auf seinen suizidalen Rachefeldzug in seiner Schule in Emsdetten zog

“Weg mit dem Virtuellen!” Killerspieldebatte im TV in der WDR-Sendung “Hart aber Fair” (Spiegel.de)

Wer über Killerspiele diskutiert, sollte wenigstens wissen, was ein Joystick ist. Die Gäste von Frank Plasbergs “Hart aber fair”-Runde hatten jedoch nur einen Stock verschluckt. Kein Wunder: Sie waren für das brisante Thema einfach zu alt.

und im Heute-Journal vom 21.11.

Wäre schön, wenn sich auch die Volksvertreter in Berlin und in manchen Bundesländern mal die Zeit nehmen würden, zu hinterfragen. Auch wenn es – offensichtlich altersbedingt – schwer fällt.

“Ich würde ihnen gar nichts sagen. Ich würde ihnen zuhören, was sie zu sagen haben, denn das hat niemals jemand getan!” Marylin Manson in „Bowling for Columbine“

2 Kommentare vorhanden

  1. geschrieben am 22. November 2006 um 21:56 Uhr | Permalink

    Man kann dieses Thema -auch erneut- wieder aus allen Perspektiven betrachten. Die sinnloseste Frage die ich im Zusammenhang damit gehört habe war: “Ist es denn überhaupt nötig, überhaupt solche Spiele zu spielen? Das macht doch gar keinen Spaß!” => Super, wenn wie bei der Frage anfangen müssen zu diskutieren. Diese Leute sollten sich mal überlegen, ob ihr Hobby oder Freizeitaktion “überhaupt” Spaß machen kann.
    ———-
    Viele Schießspiele sind sehr brutal und einige auch extremst pervers. Allerdings haben diese Spiele den gleichen Stellenwert für solch eine “psychische Explosion” wie das Elternhaus, die Lehrer und alle anderen Bezugsperson die ein Schüler, oder Jugendlicher in dem Alter haben sollte. Das Soziale Umfeld ist entscheidend.
    Bei jedem ist es anders. Beim einen sind die Spiele die wirklichen Auslöser, oder einfach das Training mit Waffen. Einige verlieren auch einfach nur die Hemmung zur Gewalt. Andere haben diese Spiele gespielt, aber nie waren die der Ausgangspunkt für eine solche Tat.
    Nach dem Fall Erfurt, und das wurde mehrmals bei dieser Diskussion betont, wurde wissenschaftlich belegt, dass NUR die Spiele auf eine normale(!) Psyche keinen Einfluss haben.
    Was heißt schon “normal”. Normal ist relativ, klar. Aber in dem Fall bedeutet “normale Psyche”, dass wenn das soziale Umfeld und alle Beziehungen, die eigentlich typisch für ein bestimmtes Alter sind, so haben die Spiele definitiv keinen Einfluss. Das heißt, jeder ist individuell, richtig, aber es heißt wohl auch, dass die nur die Spiele an sich, kein “größerer Faktor der Explosion” sind.
    Man könnte, nein(!) man sollte jetzt genauso (/lieber) anfangen, die Jugend in Deutschland erneut zu analysieren und Wege zu finden, für einen Jeden, eine möglichst gute Bildung, ein möglichst gutes Umfeld und einen möglichst guten Einfluss (Erziehung) zu bieten/haben.

    Das Thema ist schwierig. Psychologisch betrachet, ist der Mensch nunmal eine “BlackBox”. Die Reize gehen in die “BlackBox” Mensch, und wir sehen nicht wie sie verarbeitet werden, wir sehen nur was rauskommt.(Behavioristische Perspektive des Menschen)
    ( Reize=>BlackBox=>Reaktion )

    Nun gut, das war jetzt mal mein geistiger Erguss. Wer “mitmachen” will darüber zu diskutieren -klar macht weiter, und kommentiert.

    greets max.

  2. geschrieben am 22. November 2006 um 22:01 Uhr | Permalink

    *Leider habe ich den Text nicht nochmal überprüft auf Fehler und grammatische Unregelmäßigkeiten.

    Sehr wichtig ist dieser Satz nochmal:
    “Aber in dem Fall bedeutet “normale Psyche”, dass wenn das soziale Umfeld und alle Beziehungen, die eigentlich typisch für ein bestimmtes Alter, vorhanden sind, so haben die Spiele definitiv keinen Einfluss. Das heißt, jeder ist individuell, richtig, aber es heißt wohl auch, dass nur die Spiele an sich, kein “größerer Faktor der Explosion” sind, sondern nur einen Faktor neben anderen darstellt.

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