krieg
politik / 9.04.2010

START zum neuen Wettrüsten

Gestern unterschrieben Obama und Medwedew den neuen START-Vertrag zur weiteren Abrüstung von Atomwaffen. Soweit womöglich ein bedeutender Tag und ein weiterer Schritt zur Legitimation des Nobelpreises für Obama. Doch wie so oft liegen Schein und Sein nicht sehr nah bei einander und die historische Bedeutung eher in der Nähe eines umgefallenen Reissackes. Atomwaffen haben seit Ende des Kalten Krieges längst nicht mehr die Bedeutung wie konventionelle Waffen in der heutigen Zeit kleiner lokaler Konfliktherde. Längst bestimmen die konventionellen Waffen das neue Wettrüsten, getrieben u.a. durch neue Militärdoktrinen und technologischem Fortschritt (z.b. Drohnenkrieg).
Ein sehr h̦renswerter Podcast zum Thema von HR2 РDer Tag:

Der 8. April 2010 wird ein historisches Datum sein: das Datum der großen Atomabrüstung. Denn am 8. April 2010 werden sich der russische und der amerikanische Präsident in Prag getroffen und eben dies verkündet haben: Das Ende des Atomzeitalters. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders: Der Vertrag zwischen den alten Supermächten wird ein neues Zeitalter des Wettrüstens einläuten. Und die Historiker der Zukunft werden bewundern, wie der alte Fuchs Obama das damals in seinen jungen Jahren genau so angelegt hatte, um der US-Rüstungsindustrie zu den ungeahnten Höhenflügen zu verhelfen, die die Welt seitdem in ein einziges Waffenlager verwandelt haben…

Download: derTag_20100408.mp3 (53min, 51MB) – Quelle

sonst so / 16.11.2009

Konflikte weltweit

Die Konflikte dieser Welt grafisch aufbereitet und mit Hilfe von Google-Maps in geografische Position gebracht. Der Blick auf die Zeittafel reicht von der Gegenwart bis weit zurück in die Vergangenheit. Nur in die Zukunft kann auch conflicthistory.com nicht schauen. Aber wer schon immer wissen wollte, wo und wann z.b. der Kurukshetra Krieg stattfand – nämlich 1633-1619 v.Chr. im Norden Indiens – der wird fündig. Betrüblich ist derweil der Vergleich von heute und der Zeit des Kalten Krieges. Die Anzahl der Konflikte und Kriege haben sich seit dem Ende des Krieges erhöht.

politik / 25.06.2009

Es ist Krieg

Was für die Soldaten vor Ort längst zur Realität geworden ist, will Verteidigungsminister Jung (CDU) nicht beim Namen nennen. Es herrscht Krieg, und deutsche Soldaten werden zunehmend verheizt für einen ohnehin fragwürdigen Einsatz in Afghanistan. Der Spiegelfechter beschreibt mit einer lesenswerten Bestandsaufnahme, warum der Krieg nicht beim Namen genannt wird. Wer im September wählen geht, sollte schauen, dass er kein Blut an die Hände bekommt.

Film / 22.08.2007

Zwischen Himmel und Hölle

Gerade das erste Mal vollständig gesehen. Scheint mir der beste Antikriegsfilm zu Vietnam zu sein. Gedreht von Oliver Stone basiert der Film auf zwei autobiographischen Büchern von Le Ly Hayslip und beinhaltet mehrere Jahrzehnte ihres Lebens. Als Tochter eines chinesischen Reisbauern erlebt sie den Krieg in Vietnam mit all seinen Grausamkeiten, wird gefoltert und vergewaltigt. Als Prostituierte lernt sie in Saigon den GI Steve kennen und geht später mit ihm nach Amerika. Ihre Ehe scheitert. Beide werden vom Schicksal und den Umständen, die sie zusammenführten, eingeholt. Steve, nur noch ein psychisches Wrack, nimmt sich das Leben. Als geschäftige und reiche Amerikanerin kehrt Le Ly Hayslip mit ihren drei Söhnen nach 16 Jahren in ihre Heimat zurück. Auch dort sind die Wunden des Krieges innerhalb wie außerhalb ihrer Familie und ihres Dorfes allgegenwärtig. Le Ly Hayslip lebt heute in Kalifornien. Oliver Stone vervollständigt mit “Zwischen Himmel und Hölle” (1993) seine Vietnam-Triologie (“Platoon”, 1986 u. “Geboren am 4. Juli”, 1989), zeigt den Krieg und die Kriegsfolgen aus Sicht der vietnamesischen Bevölkerung. Rührend, sehr sehenswert und durchaus auf andere Invasionskriege übertragbar. Kriege sind pervers und verachtenswert. Ohne Ausnahme…

politik / 19.03.2007

4 Jahre Krieg und US-Besatzung im Irak

Scott Ritter, ehemaliger UNO-Waffeninspektor im Rahmen der UNSCOM-Mission, meinte damals: “Ich sehe keinen Unterschied zwischen der Invasion Iraks und der Invasion Polens durch Hitler im Jahr 1939″. Hitler habe seine Soldaten unter dem Vorwand der Selbstverteidigung einmarschieren lassen, US-Präsident George W. Bush habe sich 2003 genauso verhalten. “Es ist dieselbe Lüge”

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Die ganze Perversion der Kriegsmaschinerie wird schon auf der Seite der Besatzer in einer ‘kleinen’ Dokumentation über ein US-Krankenhaus in der grünen Zone von Bagdad deutlich. “Baghdad ER” zeigt ungeschminkt den Alltag im “86th Combat Support Hospital” der US-Armee, in das verwundete und sterbende US-Soldaten – und auch so mancher verstümmelte Iraker – zur Erstbehandlung eingeflogen werden.
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1.06.2006 / 28 Kommentare

Baghdad ER

Das ist ganz harter Stoff.
Am vergangenen Wochenende lief in den USA zur besten Sendezeit die HBO-Dokumentation “Baghdad ER”:

Sie zeigt ungeschminkt den Alltag im “86th Combat Support Hospital” der US-Armee, jenem Krankenhaus in Bagdads “grüner Zone”, in das verwundete und sterbende US-Soldaten – und auch so mancher verstümmelte Iraker – zur Erstbehandlung eingeflogen werden. Es sind die unmittelbarsten und schockierendsten Bilder vom Irak-Krieg, die die Amerikaner bisher in ihre Wohnzimmer geliefert bekommen haben… In den USA ist vom Feldzug im Irak normalerweise nicht viel zu bemerken. Wer nicht gerade in der Nähe einer Militärbasis wohnt, wird durch nichts an den Krieg erinnert – abgesehen von den kleinen Kästchen in den Tageszeitungen, in denen Namen, Alter und militärischer Rang der zuletzt Gefallenen aufgelistet werden.
(Mehr dazu bei Spiegel-Online.)

Ich hab ja schon einiges gesehen. Aber was in der Doku gezeigt wird, hat schon eine andere Qualität. Es sind nicht nur die Verletzungen, die Amputationen und das Sterben im OP, auf die die Kamera ohne Zensur drauf hält. Es ist ein klares ungeschminktes Bild vom Krieg ohne Helden und von einer medizinischen Maschinerie, die sicher ihr bestes versucht, den verwundeten Soldaten zu helfen. Aber es dominiert trotz hier und da gefallener kritischer Worte der Eindruck einer Maschinerie, in der eben jeder “nur” seinen Job erledigt. Aber es ist mehr, es ist Krieg.
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