globalisierung
politik / 20.11.2008

Neuzeit-Kolonialismus

Billige Arbeitskräfte im Ausland zu nutzen, ohne einen der Produktivität angemessenen Lohn zu zahlen, so wie es seit Jahren praktiziert wird, könnte man vielleicht schon als eine Form von Kolonialismus bezeichnen. Die neueste Form des Kolonialismus ist die Übernahme von großen Landflächen eines anderen Landes zur meist landwirtschaftlichen Nutzung quasi autonom nach eigenen Vorstellungen. In Madagaskar übernimmt jetzt der Daewoo-Konzern für 99 Jahre eine Fläche von 13.000 qkm. Das entspricht in etwa der Hälfte der insgesamt landwirtschaftlich genutzten Fläche in Madagaskar. Genutzt werden soll die Fläche zum Anbau von Mais und anderen Pflanzen zur Herstellung von Biosprit.

Möglicherweise muss der Konzern nichts für das Land zahlen, das er mit einem Konsortium, dem auch chinesische Firmen angehören sollen, für 6 Milliarden US-Dollar in den ersten 25 Jahren erschließen will und damit Infrastruktur und bis zu 70.000 Arbeitsplätze schaffen soll. Quelle

Weitere “Neuzeit-Kolonien” werden folgen. So war vor einiger Zeit z.b. die Rede davon, dass die kontaminierten Gebiete um Tschernobyl zum Anbau von Biosprit-Pflanzen durch ausländische “Investoren” genutzt werden könnten. Interessenten soll es schon geben.

politik / 26.09.2008

Schocks statt Chancen

Es lohnt sich besonders dieser Tage mal das Buch von Naomi Klein zu lesen. In “Die Schock-Strategie” beschreibt die Globalisierungskritikerin sehr umfassend die Umsetzung der Ideologie des Freien Marktes von Milton Friedman z.b. unter anderem in Südamerika. Die Ereignisse der Vergangenheit scheinen symptomatisch für das, was in diesen Wochen vor sich geht. Der Kampf um den Systemerhalt gegen die systembedingte Krise wird, während sich die Hoffnung auf einen “Big Change” durch den auch von Lehman Brothers finanziell unterstützten Obama zunehmend in Luft aufzulösen scheint, auf eine Weise eingeleitet, die an eine – nämlich die von Naomi Klein beschriebene Schock-Strategie erinnert.

Der Spiegelfechter schreibt in einem – wieder mal – sehr guten Artikel:

Naomi Klein beschrieb in ihrem Buch „Die Schock Strategie“ den „Katastrophen-Kapitalismus“ folgendermaßen: „Eine Katastrophe – ein Staatsstreich, ein terroristischer Anschlag, ein Wirtschaftskollaps, ein Krieg, eine Flutwelle, ein Hurrikan – katapultiert die gesamte Bevölkerung in einen kollektiven Schockzustand. […]
Und so, wie der terrorisierte Gefangene die Namen von Kameraden preisgibt und seine Überzeugungen verleugnet, geben schockierte Gesellschaften ihre Werte und Überzeugungen auf, die sie sonst entschlossen verteidigen würden.“ Was Bush und seine Mitstreiter ausgeheckt haben, ist nicht viel weniger, als ein Meisterwerk des „Katastrophen-Kapitalismus“. Um das verängstigte Volk in einen Schockzustand zu versetzen, werden die apokalyptischen Reiter beschworen und niemand, der sich nicht dem Verdacht aussetzen will, er sei ein Bruder Leichtfuß, kann sich gegen den kollektiven Wahnsinn stellen. Dabei ist es keinesfalls so, dass der Bernanke-Paulson Plan ohne Alternative wäre.

Weniger umverteilungsintensive Alternativen von unten nach oben, um die aktuelle Finanzkrise abzuwenden, wären möglich, sind aber von Leuten wie dem ehemaligen Goldman-Sachs CEO und jetzigen amerikanischen Finanzminister Henry Paulson nicht gewünscht.
Weitere Informationen im Artikel des Spiegelfechters:
Schmalspuropportunisten

Die Schockstimmung indes greift weiter um sich. Während der deutsche Finanzminister Steinbrück vor 10 Tagen noch vor einer Dramatisierung der internationalen Finanzmarktkrise warnte, sprach er gestern im Bundestag – scheinbar in Anlehnung an die Dramaturgie des 9/11 – davon, dass die Welt nicht wieder so sein wird, wie vor der Krise. Na hoffentlich im positivsten Sinne.

politik / 20.04.2008

Kapitalismus ist stiller Massenmord

Gewagte These?
Jean Ziegler, UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung, über die Folgen der weltweiten Preisexplosion bei Lebensmitteln und warum er “nie mehr auf der Seite der Henker stehen will”.

… wir stöhnen alle über die steigenden Lebensmittelpreise, aber für viele Menschen am andern Ende der Welt bedeuten diese Preissteigerungen den sicheren Tod. Wie kann es sowas im 21. Jahrhundert geben?

Der Hunger ist leider längst eisige Normalität. Zu dieser Tragödie kommt nun die Explosion der Agrarrohstoffe – allein Reis ist um 53 Prozent gestiegen. Aber während ein Haushalt in Wien oder Genf 10 bis 15 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel ausgibt, sind es in Haiti, Simbabwe oder Bangladesch 80 bis 90 Prozent. Diese Menschen können sich Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten und ernähren sich mittlerweilevon getrocknetem Lehm. Da ist unser Stöhnen über die Fleischpreise wahrlich ein Luxusproblem.

Wer ist schuld an diesem Hungerkrieg?

Die Antwort und das gesamte Interview mit Jean Ziegler im Kurier.at

Film / sonst so / 8.03.2008

Lord of War gefasst

Der Film “Lord of War” mit Nicolas Cage (eine seiner besten Rollen) ist nicht einfach nur ein Spielfilm, der den Zynismus der Globalisierung sarkastisch aufs Korn nimmt. Er erzählt die Geschichte eines Waffenhändlers, wie es ihn im richtigen Leben gibt. Und eben dieser Waffenhändler – er galt als Vorlage für den Spielfilm – ist jetzt in Thailand verhaftet worden (Logistiker des Todes…). In einem thailändischem Fünf-Sterne-Hotel traf er auf US-Ermittler, die als FARC-Rebellen getarnt, einen Waffendeal aushandeln wollten. In einem ganz anderen Film, dem Dokumentarfilm “Darwins Alptraum”, erzählt an einem späten Abend ein russischer Pilot einer Antonow-Frachtmaschine von seinen anderen Flügen in Afrika. Er fliegt normalerweise bzw. während der Entstehung der Doku Nilbarsche vom Viktoriasee nach Europa. Er erzählt rührend davon – redseliger, als er eigentlich sein wollte – wie er auf den Rückflügen Weintrauben aus Südafrika nach Europa fliegt. Auf den Hinflügen hatte er unter anderem für Tansania oder Angola schwere Maschinen an Bord. Schwere Maschinen, die Waffen sind für die unzähligen Konflikte in Tansania, Sierra Leone und den vielen anderen Konfliktregionen in Afrika. An diese Szene muss ich immer denken, wenn ich mir Weintrauben kaufe und diese aus Südafrika stammen. Vielleicht fliegen diese Maschinen jetzt erstmal nicht mehr.

sonst so / 29.01.2008

Nokia produziert schon in Rumänien

Erste Modelle sind bereits fertig und frisch in die Serienproduktion gegangen. Exklusive Produktfotos der neuen Handygeneration aus dem Hause Nokia gibt es beim Schockwellenreiter. KLICK
Fast noch lustiger sind dort die Kommentare.

16.01.2008 / 2 Kommentare

Heuschrecke Nokia

Nun ja. Gestern war es jemand anders und morgen wird es wieder jemand anders sein. Vielleicht ja jemand aus der Autoindustrie, oder diese sogar komplett. Solange die Bedingungen so sind, wie sie derzeit sind, gibt es diesen enthemmten Kapitalismus auch. Ach man nennt das ja Globalisierung. Klingt modern und fortschrittlich. Fast auch wie ein Naturgesetz. Ist es aber nicht. Man stelle sich mal den Straßenverkehr ohne Verkehrsregeln vor. Wer würde dann noch freiwillig zu Fuß eine Strasse überqueren? Würde man doch nur noch machen, wenn man absolut keine andere Wahl mehr hätte. So wie die Afrikaner, die immer und immer wieder versuchen, irgendwie die Strasse von Gibraltar zu überqueren. Das ist deren Globalisierung. Uns alle bringt sie irgendwie zusammen. Schon auf recht kranke Art und Weise, oder? Aber schon noch zum Nutzen einer ganz bestimmten Kaste, die bald von ihrer eigenen Geschwindigkeit eingeholt werden wird. Und das wohl wissend. Nicht ohne Grund unternimmt man in den Bereichen Sicherheit und Kontrolle Anstrengungen, wie wir sie grad erleben, um dieses Wertesystem möglichst lange am Leben zu halten.
Aber ich schweife ab. :) Als ich heute im Flur hörte – die Unterhaltung drehte sich um Nokias Werksschließung, dass erst, wenn wir hier chinesische Löhne haben oder besser noch andersrum, dass dann auch wieder für alle genug Arbeit zurück kommt, musste ich schmunzeln. War doch erst neulich in einem Bericht aus China zu sehen, wie neureiche chinesische Fabrikanten aus der Textilindustrie dabei sind, ihre Produktionsstätten nach Afrika auszulagern. Weils dort billiger ist…

politik / 18.09.2007 / 2 Kommentare

Die Schock-Strategie

Ein Kurzfilm von Alfonso Cuarón (Children of Men) und Naomi Klein zu ihrem neuen Buch die ‘Die Schock-Strategie’.

YouTubeDirekt, shockdoctrine.com

So funktioniert der Katastrophen-Kapitalismus:
Eine Katastrophe – ein Staatsstreich, ein terroristischer Anschlag, ein Wirtschaftskollaps, ein Krieg, eine Flutwelle, ein Hurrikan – katapultiert die gesamte Bevölkerung in einen kollektiven Schockzustand. Die fallenden Bomben, die brutalen Terror-Attacken, die tosenden Stürme dienen dazu, ganze Gesellschaften zu zermürben – genau wie dröhnende Musik und Schläge in Folterkammern Gefangene zermürben. Und so, wie der terrorisierte Gefangene die Namen von Kameraden preisgibt und seine Ãœberzeugungen verleugnet, geben schockierte Gesellschaften ihre Werte und Ãœberzeugungen auf, die sie sonst entschlossen verteidigen würde.
Naomi Klein, Quelle: Fischerverlage.de

Laut Wikipedia.de gilt Naomi Klein “als eine der wichtigsten Sprecherinnen der Globalisierungskritiker. Ihr Bestseller „No Logo!“ (2000) gilt als erstes Manifest der globalisierungskritischen Bewegung. Die Londoner Times erklärte sie nach Erscheinen von „No Logo!“ zur „wohl einflussreichsten Person unter 35 Jahren“.”

Die Folterkeller der Globalisierung – Interview mit Naomi Klein bei Zeit.de

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