finanzkrise
politik / 1.10.2008 / 1 Kommentar

Zitat des Tages

Quasi über Nacht haben sie mehr Geld für eine Bankbürgschaft riskiert, als alle Hartz-IV-Empfänger im ganzen Jahr aus der Bundeskasse erhalten. Aber Frau Merkel hielt es bislang nicht einmal für nötig, diesen Anschlag auf das Geld ihrer Wähler mit einer Rede an die Nation zu erklären, geschweige denn sicherzustellen, dass die Verantwortlichen zur Kasse gebeten werden.

Der Preis des Vertrauens – tagesspiegel.de

politik / 26.09.2008

Schocks statt Chancen

Es lohnt sich besonders dieser Tage mal das Buch von Naomi Klein zu lesen. In “Die Schock-Strategie” beschreibt die Globalisierungskritikerin sehr umfassend die Umsetzung der Ideologie des Freien Marktes von Milton Friedman z.b. unter anderem in Südamerika. Die Ereignisse der Vergangenheit scheinen symptomatisch für das, was in diesen Wochen vor sich geht. Der Kampf um den Systemerhalt gegen die systembedingte Krise wird, während sich die Hoffnung auf einen “Big Change” durch den auch von Lehman Brothers finanziell unterstützten Obama zunehmend in Luft aufzulösen scheint, auf eine Weise eingeleitet, die an eine – nämlich die von Naomi Klein beschriebene Schock-Strategie erinnert.

Der Spiegelfechter schreibt in einem – wieder mal – sehr guten Artikel:

Naomi Klein beschrieb in ihrem Buch „Die Schock Strategie“ den „Katastrophen-Kapitalismus“ folgendermaßen: „Eine Katastrophe – ein Staatsstreich, ein terroristischer Anschlag, ein Wirtschaftskollaps, ein Krieg, eine Flutwelle, ein Hurrikan – katapultiert die gesamte Bevölkerung in einen kollektiven Schockzustand. […]
Und so, wie der terrorisierte Gefangene die Namen von Kameraden preisgibt und seine Überzeugungen verleugnet, geben schockierte Gesellschaften ihre Werte und Überzeugungen auf, die sie sonst entschlossen verteidigen würden.“ Was Bush und seine Mitstreiter ausgeheckt haben, ist nicht viel weniger, als ein Meisterwerk des „Katastrophen-Kapitalismus“. Um das verängstigte Volk in einen Schockzustand zu versetzen, werden die apokalyptischen Reiter beschworen und niemand, der sich nicht dem Verdacht aussetzen will, er sei ein Bruder Leichtfuß, kann sich gegen den kollektiven Wahnsinn stellen. Dabei ist es keinesfalls so, dass der Bernanke-Paulson Plan ohne Alternative wäre.

Weniger umverteilungsintensive Alternativen von unten nach oben, um die aktuelle Finanzkrise abzuwenden, wären möglich, sind aber von Leuten wie dem ehemaligen Goldman-Sachs CEO und jetzigen amerikanischen Finanzminister Henry Paulson nicht gewünscht.
Weitere Informationen im Artikel des Spiegelfechters:
Schmalspuropportunisten

Die Schockstimmung indes greift weiter um sich. Während der deutsche Finanzminister Steinbrück vor 10 Tagen noch vor einer Dramatisierung der internationalen Finanzmarktkrise warnte, sprach er gestern im Bundestag – scheinbar in Anlehnung an die Dramaturgie des 9/11 – davon, dass die Welt nicht wieder so sein wird, wie vor der Krise. Na hoffentlich im positivsten Sinne.

politik / 17.09.2008

Ein Finanzsystem wie ein Kettenbrief

Einfach und drollig…
Stell Dir vor, Du kommst auf die Idee, Dir ein Wohnschiff bauen zu wollen. Du gehst zur grünen Bank, erzählst denen von Deinem Vorhaben und fragst um Geld. Eigentlich kannst Du das finanziell gar nicht wuppen. Aber man ist begeistert. Denn der Meeresspiegel steigt und der Wert von Wohnschiffen mindestens ebenso. Es ist eine Investition in die Zukunft. Man leiht Dir die Million.

Dein Wohnschiff wird gebaut, vielleicht wohnst Du auch schon drin. Du zahlst brav Deine Raten. Die grüne Bank indes verkauft Deinen Kredit in Höhe von einer Million mit einer erwarteten Wertsteigerung auf zwei Millionen für 1,5 Millionen an einen Investment Fond. Die grüne Bank hatte Dir eine Million ausgezahlt, bekommt nun dafür 1,5 Millionen und ist Deinen Schrottkredit los. Denn eigentlich kannst Du den ja gar nicht wuppen. Du zahlst weiter Deine Raten, jetzt an den neuen Besitzer des Kredits, den Investment Font. Vielleicht sogar noch auf das alte Konto bei der grünen Bank, das ist Service. Die leiten das dann weiter.

Der Investment Font kann das Paket jetzt gleich wieder weiter verkaufen, für 1,7 oder 1,8 Millionen. Man muss sehen, was der Markt her gibt. Der Alles-In-Allem Wert beträgt ja schließlich zwei Millionen. Das kann nun ewig so weiter gehen. Bis irgendwann zum Letzten in der Briefkette, der keinen Dummen Investor mehr findet.
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