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damals / 9.11.2009

Berlin vorher nachher

Man schiebe einfach den Vorhang der Geschichte von links nach rechts oder umgekehrt. Wo früher die Mauer, brummt heute wieder das Leben oder Autos: A Division Through Time

9.11.2009

9. November 1989

Eigentlich ist alles erzählt. Hundertfach in tausenden von Geschichten und nicht zuletzt in zeithistorischen Dokumenten. Es bedarf nur des Interesses an dieser Geschichte. Jubiläen haben es so an sich, die Dinge und damit auch ganz eigene Erinnerungen wieder hervorzuholen.

Aus ganz persönlicher Sicht war 1989 ein Jahr vieler Extreme, die allesamt zusammen gehören. Extreme Entscheidungen, extreme Aktionen, extreme Ängste, extremes Glück und zum Ende des Jahres am 9. November ein extremes Glücksgefühl, dass man für sich alleine gestellt gar nicht beschreiben kann. Das Jahr 1989 war geprägt vom Wunsch, der Entscheidung und schließlich der mehrfach versuchten Realisierung das Land zu verlassen. Der 9. November mit der historischen Pressekonferenz, auf der Schabowski das Ende besiegelte, bildete in jenem Jahr schließlich das Finale dieser Versuche und gleichzeitig den Startschuss, ein anderes – ein neues Leben anfangen zu können. Zu Kurz kam am Ende die Aufmerksamkeit für den Wandel in der DDR. Dafür war es einfach zu spät.

Wer sich der Geschichte und der Aufarbeitung, egal ob mit oder ohne ostdeutschem Migrationshintergrund, stellen möchte – ich wünschte, viele würden es tun, hat alle Möglichkeiten dazu und sollte seine Reise in die Geschichte der DDR in einem der zahlreichen Stasi-Knäste, die heute Gedenkstätte sind, beginnen.

damals / Film / 9.11.2009

Material

Filmtipp zum Thema des Tages:

Ein ungewöhnlicher Blick auf den Mauerfall. 1989 sind gesellschaftliche, politische und persönliche Beziehungen in Bewegung geraten, die Verhältnisse entwickeln sich. In Thomas Heises Dokumentarfilm “Material” geht es um diesen aufscheinenden, kurzen Moment der Chance auf Veränderung.

Ein wirklich interessanter Film, der mit teils seltenen Aufnahmen und mit ihrer Ausführlichkeit einen ganz anderen tiefen Blick auf die Zeit des Wandels und des dann schnellen Endes der DDR bietet und die Komplexität dieses Prozesses erkennen lässt. Bemerkenswert anders, als das was sonst heutzutage in der Rückblende geboten wird.
“Material” lief letzte Nacht auf Arte und ist jetzt noch sieben Tage im Online-Angebot von Arte zu sehen: “Material” – arte+7 Video

Update:
Interview mit Thomas Heise bei Telepolis: Was ist der bessere Knast?

Foto / 8.11.2009

Hallen voller Autos

Wie zurück gelassen und übrig geblieben, so stehen sie da. Als würden sie auf irgend etwas warten. Relikte aus vergangenen Zeiten. Einige von ihnen prägten einmal wie selbstverständlich das Straßenbild ostdeutscher Städte. Lang lang ist’s her.
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damals / politik / Zeug / 14.10.2009

Kurz verlinkt

Neues Forum und alte Genossen
Gespräch mit der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley über die dramatische Zeit der Wende und die Gegenwart.

Kürzlich erschien eine “Chronik der Bürgerbewegung NEUES FORUM 1989-1990″, zu der die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley ein bemerkenswertes Vorwort beisteuerte, in dem sie auch über die Entwicklungen in den letzten zwei Jahrzehnten schreibt. Die Geschichte des “Neuen Forums”, die sich damals lange im Geheimen abgespielte und auf diese Weise die mächtige DDR-Staatssicherheit umging, ist heute erstaunlich unbekannt. Im Gespräch mit Telepolis über Vergangenheit und Gegenwart beweist Bärbel Bohley noch immer Courage.

Eine Bürgerrechtlerin, deren Einsatz man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Danke!

damals / 28.07.2009

TV-TIPP: Freundschaft! Die Freie Deutsche Jugend

Ein Dokumentarfilm von Lutz Hachmeister (Das Goebbels-Experiment…) und Mathias von der Heide über den staatlichen Jugendverband in der DDR. Die Mitgliedschaft in der FDJ begann normalerweise als Schüler der 8. Klasse und löste so fast automatisch die Mitgliedschaft bei den Pionieren ab. Als einfacher FDJ’ler nahm man an den FDJ-Nachmittagen und anderen Pflichtveranstaltungen teil, die allesamt wie alles bei der FDJ vom politischen Dogma der DDR geprägt waren. StreberInnen, die ein Studium oder andere weitergehende Karrieren in der DDR im Sinn hatten (manchmal aber einfach auch aus Ãœberzeugung), strebten schon da Ämter in der FDJ innerhalb des Klassenverbandes oder auch darüber hinaus an.

Kaum eine andere Institution hat die Bürger der ehemaligen DDR so miteinander verbunden wie die Freie Deutsche Jugend. Der Mitgliedschaft in der FDJ konnte man sich kaum entziehen – und wenn doch, dann in der Regel nur mit negativen Konsequenzen für Biografie und Karriere. In ihrem Dokumentarfilm „Freundschaft! Die Freie Deutsche Jugend” beleuchten Grimme-Preisträger Lutz Hachmeister und Co-Regisseur Mathias von der Heide zum ersten Mal die Gesamtgeschichte dieser merkwürdigen Institution, deren Insignien das blaue Hemd und die aufgehende Sonne waren. In der FDJ lernte der gesamte Führungsnachwuchs der DDR „Kaderpolitik”, auch die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt es für ratsam, sich dort aktiv zu engagieren. (daserste.de)

Erwähnt wird in der Dokumentation auch der Punk in der DDR. Quasi die Gegenkultur mit der Gier nach Leben und Aufbegehren.

Sendetermin: Heute Abend 22:45 Uhr in der ARD

damals / Musik / 4.07.2009

Blogtipp: NO POPSTARS

Die DDR war voller Punk. Zumindest im Untergrund. Bands benötigten damals in der DDR von einer staatlichen Prüfungskommission eine sogenannte Einstufung. Einfach so in einem Club auftreten oder ein Studio mieten, ging in der DDR nicht. So eine Kommission bestand meistens aus Profi-Musikern, Musikjournalisten und kulturpolitischen Mitarbeitern oder Ortsfunktionären, die neben einer musikalischen Qualität vor allem die staatlich verordnete Kulturlinie vertraten. Die Musik musste schließlich zum DDR-Sozialismus passen. Negative oder destruktive Lebenseinstellungen und Musizierstile hatten keinen Platz in der sozialistischen Kultur. Kritische Texte waren nicht erwünscht. Musiker, die keine Einstufung bekamen, zogen sich zurück in die Nischen z.b. kirchlicher Jugend-Einrichtungen – andere gingen in den Westen. Konzerte fanden, wenn, im privaten Rahmen statt. Diese Musik, der der Vertriebsweg über Schallplattenläden verwehrt blieb, fand ihre Verbreitung oft unter der Hand auf Kassetten durch kleine Hinterhof-Studios. “Hinterhofproduction” ist hierfür ein eindrucksvolles Beispiel.

NO POPSTARS sammelt genau solche Musik aus dem Untergrund der DDR und “rettet” so die Musik einer ganzen Gegenkultur in der DDR in das digitale Zeitalter. Seit März ist bereits eine tolle Sammlung zusammen gekommen. Besonders beeindruckend ist die Geschichte in diesem Artikel. Eine Musikkassette wird in die BRD geschmuggelt, dort 1987 als Schallplatte veröffentlicht und jetzt, zwei Jahrzehnte später, durch NO POPSTARS aus den USA wieder zurück nach Deutschland erworben. Zu guter Letzt meldet sich dann auch noch der Sänger der damaligen Ostband in den Kommentaren zu Wort. Solche Dinge sind die kleinen Sternstunden des Internets. Und NO POPSTARS ist eine der Perlen der Blogosphäre.

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