arcor
sonst so / 23.01.2008

Arcor muss Google nicht aussperren

Huch. Da hatte jemand aus der Pornobranche versucht, Arcor daran zu hindern, seinen Kunden Zugang ins Internet bzw. zu Google zu ermöglichen. Google ist für viele Menschen quasi das Internet. Per einstweiliger Verfügung sollte Arcor dazu gebracht werden, den Aufruf der Seiten google.de und google.com zu sperren. Internetbenutzer hätten über die Seiten von Google unbeschränkten Zugriff auch auf Seiten mit pornografischen Inhalten. Das geht natürlich nicht einfach so. So viel Konkurrenz. Dachte man sich wohl beim Pornoanbieter.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat nun wie zuvor schon das Landgericht entschieden, dass das nicht geht. Arcor ist bloß Vermittler des Zugangs zum Internet und nicht verantwortlich für Wettbewerbsverstöße auf über Google erreichbaren Seiten. Außerdem sei dem Provider nicht zuzumuten die Google-Seiten komplett zu sperren, weil es sich bei Google aus Sicht der Kunden um eine unverzichtbare Suchmaschine handelt.

Wäre man bei Arcor mutig, würde man jetzt auch mal gegen die Sperrungsauflage einer einzelnen ganz bestimmten Internetseite vorgehen. Wir sind hier doch nicht in einer Diktatur. Und ich würde dann bestimmt in einen anderen Tarif wechseln und dadurch meine Vertragslaufzeit bei Arcor verlängern. ;)

Quelle: Spiegel-Online

Update:
Auf Hinweis des Klägers stellt sich die Sachlage insbesondere auf die Hintergründe der Klage etwas anders dar, als es der verkürzt erscheinende Artikel bei Spiegel-Online wiedergibt. So heißt es bei Heise.de dazu:

Während die 3. Zivilkammer des Landgerichts mit ihrer erstinstanzlichen Entscheidung im Tenor der jüngsten Urteile zur Providerhaftung lag, sehen die Kollegen der 6. Kammer das offenbar anders. Im vergangenen Oktober verdonnerten sie Arcor, den Zugang zum Videoportal YouPorn zu sperren. Gerichte in Düsseldorf und Kiel beschieden ähnliche Anträge ablehnend. Diese unklare Rechtslage war für den Geschäftsführer von Huch Medien, Tobias Huch, nach eigenen Angaben auch Anlass für seinen Antrag auf eine Sperrungsverfügung für Google: Er wolle mit seinem Vorstoß vor allem auf gewisse Unstimmigkeiten im deutschen Jugendschutzrecht hinweisen; man müsse der Justiz auf den Zahn fühlen und die Tragweite der Haftungsfreistellungen testen, sagte er Anfang Dezember zur Begründung des Vorstoßes gegen Arcor.

Quelle: OLG: Provider nicht für Netzinhalte verantwortlich (23.01.08)
siehe auch: Arcor soll Google sperren (04.12.07)

prem / sonst so / 24.10.2007 / 2 Kommentare

Arcor zensiert wieder Internetzugang

Diesmal, weil einer einstweiligen Verfügung (EV) Recht gegeben wurde (siehe: “Arcor muss YouPorn sperren”). Gesperrt wird Youporn.com diesmal auf DNS Ebene.
Kurz erklärt – jeder Internetadresse ist eine eindeutige IP-Adresse zugewiesen. Man kann das vereinfacht mit dem Telefonbuch vergleichen. Nicht der Name, sondern erst die Telefonnummer führt zum eigentlichen Ziel. Im Internet sorgen DNS-Server dafür, dass eine Internetadresse, also eine Domain, in ihre entsprechende IP-Adresse aufgelöst wird und damit die Kommunikation zwischen eigenem Rechner und der Zieladresse beginnen kann. DNS-Server sind also grob betrachtet auf technischer Ebene die Telefonbücher des Internet.

Jeder Internetprovider bietet seinem Kunden einen eigenen DNS-Server an, der auch meist standardmäßig angesprochen wird. Jetzt hat Arcor seine DNS-Server so eingestellt, dass die IP-Adressen zur Domain Youporn.com nicht mehr gefunden werden. Folglich sind die Inhalte dieser Internetadresse nicht mehr abrufbar.

Was nun tun, wenn man im Telefonbuch eine Telefonnummer nicht findet? Man schaut einfach mal in ein anderes Telefonbuch und siehe da, in anderen Telefonbüchern steht die passende Telefonnummer drin.

Genauso funktioniert das mit der Auflösung von Domainadressen mit Hilfe anderer DNS-Server auch. Man trägt in seine DFÜ-Verbindung oder im Router also einfach andere alternative DNS-Server ein, auf denen ebenfalls die Domain in die passende IP-Adresse aufgelöst werden soll, und schon wird man fündig. Die Inhalte gesperrter Seiten sind so wieder abrufbar. Adressen sogenannter Public DNS-Server, ja ganze Listen solcher Server, findet man im Internet.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was der Quatsch soll. Grund für die EV ist der Schutz der Jugend vor pornographischen Inhalten, da Youporn.com seine Inhalte ohne Alterscheck anbietet, wie Millionen andere Pornoseiten übrigens auch. Vielleicht ärgert man sich aber auch nur tierisch, weil Porno-Konsumenten, statt demütig kommerzielle Angebote zu konsumieren, mittlerweile lieber ihre eigenen Pornos drehen und sich diese Filmchen gegenseitig zeigen und das auch noch ganz kostenlos ohne kommerziellen Gedanken. Diese Kultur der Selbstunterhaltung stört offensichtlich den Erfolg des eigenen Video-Erotikportals.

prem / sonst so / 10.09.2007 / 3 Kommentare

Arcor zensiert Internetzugang

Arcor bestimmt, was man sehen darf und was nicht. Laut Arcor seien die betreffenden Sex-Seiten gesperrt worden, weil sie ohne Altersverifikation frei zugänglich waren. Das sind Millionen andere Sex-Seiten auch.
Aber nach:

Recherchen von heise online zufolge steckt hinter der Aufforderung an Arcor eine deutsche Firma, die selbst Erotik-Videos online anbietet, dabei aber die in Deutschland erforderliche Altersverifikation vornimmt. Die Unternehmen der Branche kämpfen mit harten Bandagen um Umsätze.

Arcor sperrt Zugriff auf Porno-Seiten
Arcor zensiert
Ausgesext? Videothekare kämpfen gegen YouPorn

Eigentlich wollte ich bei Arcor demnächst in einen anderen Tarif wechseln, womit sich auch die Vertragslaufzeit wieder verlängern würde. Nun überlege ich mir aber wohl was anderes. Auch wenn mich die Sperrung der Seiten nicht direkt betrifft, wer weiß, was denn sonst noch so zensiert wird?!?
(links via)

Nachtrag:
Ein Leser bei Heise zeigt, in wessen Sinne die Sperrung sein könnte: Klick

Update 17.09.07:
Arcor hat die Filterung von Webseiten bzw. IP-Adressen wieder aufgehoben und die Zensur damit erstmal beendet. Informationen zum wie und warum bei Spiegel-Online (Klick)

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