Foto / 27.11.2007 / 8 Kommentare

Prora

Das ehemalige ‘KdF-Seebad der Zwanzigtausend’
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Die gesamte Dimension dieses 4,5 Kilometer langen KdF* Seebad Komplexes wird vor Ort leider nicht so deutlich wie z.b. bei einer Luftaufnahme. Entlang der Küstenseite ist Prora ziemlich zugewachsen, so dass man vom Strand aus nicht viel sieht. Während der Nazizeit sollten dort, organisiert durch die KdF, bis zu 20.000 Menschen Urlaub machen. Der Bau von Prora wurde jedoch mit Beginn des Krieges eingestellt. In der DDR wurde der Komplex durch die Armee genutzt. Bis zu 10.000 Soldaten sollen dort stationiert gewesen sein. Heute ist der Prora-Bau in der Hand eines privaten Investors, der jedoch bisher nicht großartig investiert hat. Die künftige Nutzung von Prora ist ungewiss. Der Verfall schreitet leider voran. Einige der Blöcke werden zur Zeit als Museen genutzt.

*nationalsozialistische Gemeinschaft ‘Kraft durch Freude’

8 Kommentare vorhanden

  1. Walter von Thun
    geschrieben am 25. December 2007 um 21:10 Uhr | Permalink

    Hallo
    durfte in diesen edlen Bauwerk meinen Grundwehrdienst absolvieren von Mai 73-Okt.74,war ganz toll und unvergessen,nirgends war es so furchtbar wie dort,wer es nicht erlebt hat glaubt es garnicht.Aber zum Glück ist diese Zeit nicht wiederholbar.Viel Grüße und guten Rutsch.

  2. Volker Schölzel
    geschrieben am 4. January 2009 um 22:59 Uhr | Permalink

    Prora – Winterschlacht im Norden

    Vom November 1977 bis April 1979 diente ich im 29. Mot.-Schützen Regiment „Ernst-Moritz-Arndt“ in Prora auf der Insel Rügen. Ich war damals 20 Jahre alt, als Silvester 1978 die Katastrophe begann.

    Tagtäglich wurden wir gedrillt dem Klassenfeinde Paroli zu bieten .Das eines Tages ein ganz anderer Feind unser ach so idyllisches Soldatenleben durcheinanderwirbelte, hatte wohl am 31.12.9178 niemand erahnt.

    Schon am Vormittag regnete es sehr stark bei stürmischen Winden und einigen Plusgraden.

    Als ich gegen 17.00 Uhr meinen Dienst am KDL ( Kontrolldurchlass ) auf deutsch Haupteingang begann, schneite es schon sehr heftig und es kühlte sich immer mehr ab.

    Der Wind nahm an Stärke zu, so dass die Wege und Straßen innerhalb der Kaserne zu wehten. Gegen Mitternacht konnte man bequem auf das ca. 5m hohe Dach der Wachstube klettern und herunterrutschen. Es wurde immer kälter und man hörte schon von einigen Kraftfahrern, dass einige Straßen unpassierbar wären.

    Als ich am 01.01. 1979 gegen 1700 Uhr meinen Dienst beendete, war die Insel Rügen schon fast zugeschneit.

    In der Nacht zum 02.01. wurde unsere Kompanie in einen Zug gesetzt und ab ging es irgendwohin. Als der Zug hielt, befanden wir uns auf freier Strecke und man teilte uns mit, dass die Gleise vom Schnee geräumt werden müssen. Schaufeln sie einmal bei Schneesturm Schnee. So wie der Schnee auf der Schaufel lag, blies der Wind das weiße Pulver wieder weg. Nach einigen Stunden sah auch die Führung die Sinnlosigkeit ein und es ging zurück nach Prora. Später erfuhren wir dann von offizieller Seite, das die Insel von der Außenwelt abgeschnitten sei. Das bedeutete für uns , keine Post von zu Hause, kein Nachschub an Verpflegung und sonstigen Dingen. Panzer unseres Regimentes waren pausenlos im Einsatz um Kranken, Schwangeren und liegengebliebenen Fahrzeuginsassen zu helfen.

    Nach Einbruch der Kälte froren die Wasserleitungen ein. Man konnte nicht mehr heizen und der Strom fiel ständig aus. Unsere Notdurft mussten wir im Fernsehraum verrichten –auf Eimern. Viele Fenster wurden zugenagelt, da die Kälte unerträglich wurde. Der normale Soldatendienst war aufgehoben.

    Dann, als sich der Sturm etwas gelegt hatte ging das große Schneeräumen los. Mit Schaufeln rückten wir der weißen Pracht an den Kragen. In Viehwaggons wurden ca. 30 Mann verladen und dann ging es mit dem Zug los. Irgendwo zwischen Bergen und Saßnitz haben wir Schneisen geschaufelt damit die Züge durchpassten. In 6 Etagen wurde der Schnee nach oben geschaufelt und als der Zug dann vorbeifuhr, konnten wir ganz oben auf dem Schnee stehen und der Lok aufs Dach schauen. 16 Stunden dauerte der Arbeitseinsatz und dann völlig entkräftet ging es zurück in die Kaserne.

    Die Lebensmittel wurden knapp. Als Tagesration bekamen wir ein Paket Knäckebrot und eine Scheibe Salami ca. 5 cm Dick. Diese Ration könne man noch 3 Tage austeilen, dann gibt es nichts mehr wurde uns gesagt. Da viele noch Reserven hatten von den Weihnachtspaketen von zu Hause, konnte man diesen Engpass etwas besser überstehen. Zu Trinken gab es nur dünnen Tee, wenn Strom war um welchen zu kochen. Alles hing davon ab wie schnell können wir uns nach Bergen durchkämpfen. Es musste unbedingt die Fernverkehrsstraße nach Bergen passierbar gemacht werden.

    In dieser Zeit erlebte ich eine totale Wandlung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Es gab plötzlich keine Vorgesetzten mehr. Es gab keine erniedrigenden Befehle oder hysterisch schreiende Offiziere die einem das Leben als Soldat so schwer machen konnten mehr. Die Kameradschaft trat in den Vordergrund .die restlichen Lebensmittel wurden aufgeteilt, der Umgangston wurde humaner, denn wir wussten, dass hier kein utopischer Klassenfeind am Werke war, sonder schlicht und einfach die Natur. . Und da halfen keine Kalaschnikows Auch fanden sich viele Zivilisten die uns bei den Einsätzen mit Essen und Trinken unterstützen.

    In Prora waren so etwa 6000 – 7000 Soldaten, Unteroffiziere, Offiziere und Zivilangestellte stationiert und die mussten verpflegt werden.

    Nun ging der Kampf los. Mit Panzern, LKW’s und anderem Gerät rückten wir dem Schnee zu leibe. Ich weiß nicht mehr wie lange wir uns nach Bergen durchgeschlagen haben, aber ich glaube am 8. Januar hatten wir es geschafft. Die Straße von Bergen bis nach Stralsund war wohl auch wieder befahrbar und damit gab es in Bergen reichlich zu essen. Wir waren damals in verschiedenen Gaststätten und Tanzsälen untergebracht und stärkten uns erst mal so richtig. Der absolute Höhepunkt war der, dass es für alle Bier Wein, Schnaps und Sekt zu trinken gab. Kostenlos wohlgemerkt! Man muss dazu sagen, das bei der NVA ansonsten striktes Alkoholverbot herrschte. Alkoholdelikte wurden zum Teil mit Arrest bestraft.

    Auf Grund der großen Kälte ist der Bodden zu gefroren. Eisschollen türmten sich empor und das Meer sah aus wie am Nordpol. Da von Saßnitz die Fähre nach Trelleborg dann wieder fuhr, hatte man wohl Angst, das hier ein Schlupfloch entstanden wäre, um an die große Freiheit zu gelangen. Realistisch gesehen war aber dies viel zu gefährlich. Trotzdem musste nun am Strand von Prora Wache geschoben werden. Bei großer Kälte und Wind wurden wir aller 30 min abgelöst. Ein normaler Wachdienstrhythmus bestand aus 4 Stunden Wache, 4 Stunden Ruhezeit, 4 Stunden Bereitschaft. Bei einem Ablösungstakt von 30 min und einer Gesamtdienstzeit von 24 Stunden kam man da absolut nicht zur Ruhe. Hier spürte man wieder die Sinnlosigkeit des NVA Dienstes.

    Nach dem die Straßen und Schienen wieder befahrbar waren erhielten wir eine Urkunde und 1 bis 3 Tage Sonderurlaub. Sonderurlaub wurde bei der NVA nur sehr selten vergeben. Es mussten schon außergewöhnliche Leistungen vollbracht werden, um mal außer der Reihe nach Hause fahren zu dürfen. Es sei gesagt, dass dem Soldaten im halben Jahr ein Wochenende und eine Woche Urlaub zu standen. Insgesamt bekamen wir für 18 Monate Grundwehrdienst 18 Urlaubstage.

    Diese Katastrohpe nimmt in meinem Leben einen hohen Stellenwert ein, denn sie zeigte ganz deutlich dass die Natur letztendlich stärker ist als die Zivilisation . Der Mensch mit seinen technischen Fortschritt ist machtlos gegen Naturgewalten.

    Volker Schölzel

  3. Ziert
    geschrieben am 2. December 2009 um 03:19 Uhr | Permalink

    War in der 8. MSK und hab als Sandlatscher jede Scheisse mitgemacht, Meinen 19 Geburtstagg hab ich auf nem URAL gefeiert, als wir zum Schneeschaufeln gefahren sind. Hatte einen guten EK aus Berlin, genannt Soldat Wiefel, der hat mir sein Bandmaß geschenkt. War ein Top Kerl.

  4. lenne
    geschrieben am 12. December 2009 um 12:59 Uhr | Permalink

    toller kommentar volker, das haucht den bildern richtig leben ein ! ich war auch mal dort, noch als schueler, besonderen eindruck hat das gebauede damals bei mir nicht hinterlassen, solche geschichten wurden uns leider nicht erzaehlt !

  5. tom
    geschrieben am 11. April 2010 um 08:38 Uhr | Permalink

    ich habe mal neh frage, wo waren eigentlich die ganzen panzer stationiert und giebt es noch irgentwo kaputte panzer auf rügen ?

  6. Hermann
    geschrieben am 13. August 2010 um 16:16 Uhr | Permalink

    Als ich als Soldat in die dritten MSK Prora 1970/71 für 18 Monate rekrutiert wurde, begann der schlimmste Abschnitt in meinen Leben. Dort begriff ich ganz schnell was Hierarchie war.
    Für die meisten Offiziere waren die Soldaten keine Menschen. Da ich in diesem MSR zwei harte und eiskalte Winter zum Teil auch auf den Übungsgelände mitmachte, kenne ich nur frieren, Hunger, grölen und schreien der Offiziere. In den 18 Monaten bekam ich nur 1x Ausgang. Schlimmer konnte Zuchthaus nicht sein. Urlaub hatte ich 6x. Wenn ich die An- und Abreise abziehe, war ich genau neun Tage zu hause. Es fällt mir heute schwer, mich an diese unmenschliche Zeit zu erinnern. Ich sah manch anderen Soldaten in diesen 18 Monaten aus Verzweiflung weinen.

  7. Walter
    geschrieben am 9. July 2011 um 15:32 Uhr | Permalink

    Hallo
    Oh wie schön,nun ist eine Jugendherberge,wie toll,aber ohne mich.
    Hätte ruhig als Denkmal dienen können.
    Ich möchte dort nicht mein Geld ausgeben.
    Wo zu NVA-Zeit,Zustände wie im Knast herrschten,mit Befehlen von Offizieren welche gerade(wenn Überhaupt)einen Abschluß von 3.Klasse Hilfsschule hatten.
    Aus meiner Kompanie 1MSK sind damals zwei Soldaten in die Klappsmühle um es mal so zu formolieren geschafft worden,welches alles unter dem Mantel des Schweigen fiel.
    Aber genug für heute.

    Viele Grüße

  8. Bodo
    geschrieben am 3. November 2011 um 11:28 Uhr | Permalink

    Auch ich habe dort im MSR.29 (122 mm)in der Zeit von Mai.74 bis Okt.75 meinen “Ehrendienst” ableisten dürfen. Menschenunwürdige Zustände, Hunger, Unterdrückung und Erniedrigung durch Vorgesetzte und “EK’s waren dort an der Tagesordnung. In dieser Zeit durfte ich insgesamt 6 Mal in Urlaub, obwohl ich fast nach Hause gucken konnte. Meinen Willen und Aufrichtigkeit konnte man aber dort und auch zur dreimaligen Reservisteneinberufung nicht brechen.
    Denn nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
    Der letzte Block ist in dieser Woche(43/2011) nun auch verkauft. Natürlich entsteht nun mit Fördermittel (unseren Steuern)”Gutes und Neues”. Jugendherberge, Ausstellungen, auch über die NVA, und Museen wurden dort nun errichtet. Schafft ja schließlich Arbeitsplätze.
    Ich bin als gebürtiger Rüganer jedes Jahr auf dieser Insel im Urlaub, aber nicht einen “Taler” werde ich dort in Prora lassen.
    Dieser Bau gehört abgerissen, ich helfe gern unentgeltlich mit.
    Egal wer, baut dort neue Hotels und Spaßbäder, Casinos und Golfplätze.
    Und jene Offiziere, die dann nach 89 tönten :
    Wir wollen übernommen werden !
    haben kein Ehre !!!

    Ich gebe die Hoffnung nicht auf dass die Menschen besser werden.
    Aber ab einer gewissen Höhe des Soldes “befrieden” wir gerne, auch in anderen Ländern. Bereinigt wenigstens die Arbeitslosenstatistik.
    In diesem Sinne

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