politik / 15.10.2008

Klare Worte

Während heute Vormittag TV-kompatibel – das ZDF übertrug schließlich – das 500-Milliarden-Paket in salbungsvollen Erklärungen der Regierung im Bundestag zur Abstimmung gestellt wurde – Freitag soll das Paket verabschiedet werden, gibt es von Expertenseite zunehmend deutlichere Worte zur Krise des Systems und den Umgang mit ihr. Der Soziologe Ulrich Beck fordert in einem Interview im Spiegel, dass die Milliardenhilfen für die Banken nicht die einzige Antwort auf die Finanzkrise sein dürfe, sondern dass der Staat die Chance nutzen müsse und die Wirtschaft endlich wieder sozial und demokratischer machen müsse.

[…] Wir alle sind Teil eines ökonomischen Großexperiments mit offenem Ausgang. Interessant ist allerdings, wie schnell aus Schurken Helden werden: Haben Gordon Brown, Angela Merkel und Peer Steinbrück nicht vor kurzer Zeit noch den ungeregelten Kapitalismus hochleben lassen? Ihre wundersame Bekehrung ist für mich kabarettreifes Konvertitentum.

“Die Finanzkrise hat aus Schurken Helden gemacht”

Der Titel ist so abwegig übrigens nicht, wenn man heute Morgen davon erfährt, dass die Kanzlerin so Leute wie den früheren Bundesbank-Präsidenten Hans Tietmeyer, der aktuell auch Mitglied im Aufsichtsrat der Hypo Real Estate ist, in eine Expertengruppe ruft. Tietmeyer ist außerdem der Vorsitzende einer Lobbyorgansiation namens “Initiative Neue Soziale Martkwirtschaft”.
Weiter so.

Update: Manchmal geht es sehr schnell.
“Die Kontroversen wurden dem früheren Bundesbank-Präsidenten zu viel. Der 77-Jährige verzichtete schließlich auf den von Merkel angebotenen Posten und erklärte gegenüber dem Kanzleramt seinen Rückzug.” – Focus.de: Merkel kann Berater nicht durchsetzen

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