politik / 25.09.2008

Geheimarmeen in Europa

Die Mischung muss sich jeder selber machen. Hier gibt es die Zutaten:

Interview mit Daniele Ganser über die NATO-Armee Gladio

Hierzu gibt es in Italien den bestdokumentierten Fall: Der Anschlag von Peteano aus dem Jahre 1972, also nach 1968, als die Linke Zulauf hatte und die politische Rechte und die Amerikaner wegen des Vietnamkrieges heftig kritisiert wurden. Peteano wurde zuerst den linken Terroristen, den Roten Brigaden in die Schuhe geschoben. Das war der Trick, man wollte die Kommunisten schwächen. Erst Jahre später fand man, dass [extern] Vincenzo Vinciguerra mit Hilfe der Geheimdienste den Terroranschlag ausführte, und das auch gestand. […]
… 1990 als in Italien der Untersuchungsrichter Felice Casson, der den Terroranschlag von Peteano untersuchte, im Archiv des italienischen Geheimdienstes SIFAR eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt hatte und eben auf die Existenz dieser Geheimarmee gestoßen war und dies mit Dokumenten belegen konnte. Daraufhin hat Casson den italienischen Senat eingeschaltet, weil seine Entdeckung eine Antwort auf viele ungeklärte Terroranschläge in Italien zu geben schien. Danach hat der italienische Senat den Premierminister Giulio Andreotti gezwungen, eine Erklärung abzugeben, ob es diese Geheimarmeen tatsächlich gäbe, warum und wie diese funktioniert. So hat Andreotti im Sommer 1990 zugegeben, dass es diese Geheimarmee gibt. Er hat zwar behauptet, diese sei nur für den Fall einer sowjetischen Invasion geschaffen worden, aber um sich selber zu schützen, hat er gleich angeführt, es sei nicht nur in Italien zum Aufbau einer solchen Organisation gekommen, sondern die NATO halte solche Geheimarmeen überall in ganz Europa. Dann hat auch Griechenland die Existenz einer Geheimarmee zugegeben. […]

Die Unterwanderung – Ein Rückblick auf sieben Jahre Terrorismus

Manchmal sind es Kleinigkeiten. Man sitzt beim Frühstück und überfliegt die Ãœberschriften wie jeden Morgen. […]
Es geht um die IJU, die Islamische Jihad Union, eine Terrorgruppe, die Anschläge in Deutschland geplant haben soll. Rückblick: im September 2007 verhaften Ermittler deren “Sauerland-Zelle” – eben dort im braven Medebach-Oberschledorn. Eine koordinierte Aktion und ein großer Erfolg für die Sicherheitsbehörden, gefolgt von einer Pressekonferenz der Generalbundesanwältin. Diese erläutert vor medienwirksamer Kulisse eindringlich die gerade abgewendete Gefahr. Große blaue Fässer sind dort aufgestapelt, drohende Indizien im Blitzlichtgewitter der Kameras. […]
Ein Jahr später, im September 2008, und zeitgleich zur Anklageerhebung gegen die Terrozelle, nun diese Meldung, ganz am Rand, unter der Rubrik Vermischtes. “CIA unterwanderte IJU”. Da fällt das Brötchen. Ein kleiner Text, kurz und kommentarlos, wie nebenbei. Die militärischen Zünder, die bei den Terroristen gefunden wurden, sind – so steht es da – von einem CIA-Spitzel geliefert worden. Ãœberhaupt sei die Zelle permanent im Blick der Behörden gewesen. […]

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