Film / 6.01.2007

Filme zwischen den Tagen

Es gibt tatsächlich noch Kinos, die einen für 3,50 Zutritt gewähren. Zugegebenermaßen anderswo weit draußen in der Provinz und vielleicht auch nur zwischen den Tagen. Solch günstigem Angebot kann man sich natürlich nur schwerlich entziehen. So kam es zwischen den Tagen zu mehreren Kinobesuchen.

Der weisse Planet
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Dieser Dokumentarfilm könnte einmal ein zeithistorisches Dokument werden für eine Schnee- und Eislandschaft der Arktis mit ihrer vielfältigen Tierwelt, wie es sie auf der Erde mal gab und bald nicht mehr gibt. Wenn denn der Mensch so weiter macht mit seiner räuberischen und egoistischen Expansion auf der Erde. Der Umstand der globalen Erwärmung wird auch im Film deutlich und rührend am Schicksal der Eisbären thematisiert.
In sehr nahen und bisher nicht gesehenen Aufnahmen – z.b der unglaubliche Einblick in die Höhle der Eisbärenmutter und ihrer Jungen – durchzieht das Leben einer Eisbären-Familie wie ein roter Faden vom arktischen Frühling bis zum arktischen Winter den Film. In gleicher Weise kommen, unterbrochen von wunderschönen Panoramaaufnahmen, die vielen anderen Tierarten der Arktis zum Vorschein. Manche scheinen gar von einem anderen Planeten zu stammen. Arktische Vögel, Robben, Lemminge, Moschusochsen, Killerwale und Belugas, um nur einige zu nennen, haben alle ihren ganz besonderen Auftritt. Immer begleitet von wunderschöner und stimmiger Musik.
Den französischen Regisseuren Stéphane Milliére und Thierry Piantanida (Mikrokosmos, Das Geheimnis der Zugvögel), die insgesamt drei Jahre an diesem Film gearbeitet haben, ist mit “Der weisse Planet” eine wunderschöne und auch mahnende Liebeserklärung an die Arktis gelungen.
Wir Menschen sollten endlich unseren Arsch bewegen, und dafür sorgen, dass uns diese Welt erhalten bleibt.

Déjà Vu
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Der Film ist schlecht. Aber sowas von. Und völlig überbewertet ist er erst recht. Da kann auch die gute Kameraführung nicht darüber hinweg täuschen.
Dieser Sci-Fi-Action-Thriller spielt in New Orleans, ein halbes Jahr nach Hurricane Katrina. So langsam kehrt wieder Normalität ein und in der Stadt steht das “Mardi Gras”-Fest auf dem Plan. So herrscht auch auf einer Fähre ausgelassene Stimmung. Da explodiert das Schiff und reisst 543 Passagiere in den Tod. Schnell ist klar, dass es ein Terroranschlag war, gegen den man machtlos ist.
Nicht aber in “Déjà Vu”. Denn jetzt geht es nämlich los. Dank neuartiger technischer Möglichkeiten ist es möglich in der Zeit zurückzuspringen. Science-Fiction eben. Agent Doug Carlin (Denzel Washington) setzt also nun alles daran, diesen terroristischen Anschlag eines Einzeltäters ungeschehen zu machen.
Was der Zuschauer nun geboten bekommt, ist ein ständiges Geswitche in die Vergangenheit. Dieses ständige Geswitche, um das Verbrechen zu verhindern, ist alt, langweilig und albern. Einfach schlecht gemacht. Quasi Science-Fiction für Naive. Die Krone wird dem Ganzen dann noch mit dem Schluss der Geschichte aufgesetzt. Ein Ende, das absurder wohl nicht sein kann. Das Eintrittsgeld für diesen Film kann man sparen und lieber in den Schutz der Eisbären investieren.

Babel
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Die Geschichte ist relativ schnell erzählt. Irgendwo auf der Welt – genau genommen in Marokko – fällt ein Schuss. Der Schuss trifft die Amerikanerin Susan (Cate Blanchett), die zusammen mit ihrem Mann Richard (Brad Pitt) Urlaub in Marokko macht, um gemeinsam den Tod ihres Kindes zu verarbeiten. Derweil sie in Marokko unterwegs sind, sind ihre zwei anderen Kinder zu Hause in San Diego geblieben und werden von ihrer mexikanischen Nanny Amelia betreut.
Geschossen haben die Kinder eines einheimischen Hirten, die eigentlich auf die Schafe aufpassen sollten und mit dem Gewehr Schakale vertreiben sollen. In einer Mischung aus Unglauben der Wirkung der Waffe gegenüber und aus kindlichem Leichtsinn zielen sie auf einen Touristenbus und treffen schicksalhaft die Schulter der Susan. In einem arg konstruierten Besitzwechsel gelang dieses Gewehr zuvor irgendwie von einem Japaner über Mittler und dem Vater in die Hände der Kinder.
Dieser Vorfall, der international für einen terroristischen Akt gehalten wird und entsprechend für Aufsehen sorgt, wirft den Rückreisetermin des Ehepaares über den Haufen. Natürlich nicht ohne Folgen, denn die Nanny Amelia wollte an diesem Wochenende zur Hochzeit ihres Sohnes nach Mexiko reisen. Sie entschliesst sich, die Kinder illegal mit zur Hochzeit nach Mexiko zu nehmen.
Parallel kommt storyreich der ehemalige Besitzer des Gewehres, ein Japaner, ins Spiel. Er versucht, in Tokio lebend, mit seinen Erinnerungen sowie seiner taubstummen Tochter klar zu kommen. So bilden sich in diesem Film drei Stränge, die zugegebenermaßen beeindruckend Einblicke in das Leben im Rahmen der zur Handlung gehörenden Menschen in Japan, in Mexiko und in Marokko geben.
Besonders der Marokko-Teil konnte dabei überzeugen. Die Hollywood-Stars Brad Pitt und Cate Blanchett lassen trotz ihrer Präsenz viel Raum für die ganzen Laiendarsteller. Vielleicht wirkt der Film gerade dadurch in den Teilen authentisch.
Ansonsten wird die Geschichte des Filmes in ihrer Nachwirkung zunehmend banal. Die Globalisierungskomponente, auf die der Film abzielt, könnte durch einen umgefallenen Sack Reis in China, dessen Inhalt später irgendwann auf europäischen Tellern landet, wohl nicht unspannender erzählt werden.

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