24.06.2006

Feiern bis zur Depression

Die derzeit nach der kollektiven Depression herrschende Hochstimmung ein künstliches Produkt, bei einer Niederlage der deutschen Mannschaft und am Ende der WM wird sie schnell in sich zusammenbrechen

Ein lesenswerter Artikel von Thomas Dudek bei Telepolis zur derzeit in diesem Land stattfindenden Party und dem Tag danach. Klar, dass solch ein Beitrag Kommentare hervorruft. Einige Kommentatoren scheinen aber wie so oft nicht richtig gelesen zu haben.
Der folgende Kommentar setzt dem Beitrag jedoch im positiven Sinne die Krone auf:

leute, bleibt mal auf dem teppich
der autor hat ein, wie ich finde, nicht dummes, psychogramm der
situation gefertigt. ich konnte nichts davon lesen, daß er es den
leuten nicht gönnt, in diesen wahrhaft beschissenen zeiten, ein
bissel freude zu haben, und sei es für drei wochen.
er nahm sich das recht, über den tellerrand zu schauen, sprich an
morgen zu denken, wenn die wurst, die gerade auf dem grill liegt,
aufgefressen sein wird. das spricht nicht gegen appetit und den
geschmack der wurst…

was wünschenswert wäre:
wenn diese gefühl von nähe, der freundliche kontakt zwischen
wildfremden menschen, ausgelöst von dem wm-ereignis, dahin münden
würde, daß man wieder entdeckt: zusammenleben, gesellschaft,
nationalität bedeuten vor allem eins: daß man in einem gemeinwesen
lebt, daß der andere mitmensch ist und nicht konkurrent.

daß also der depravierte hartz4-gebeutelte, den menschen im türken
aus neukölln sieht, dem es genauso beschissen geht wie ihm.

daß der von arbeitshetze und entlassungsangst gequälte arbeitnehmer
den von hartz4 leben müssenden als seine mögliche zukunft und als
einen JETZT schon betroffenen erkennt und nicht als arbeitsscheuen
penner, der ins lager gehört…

daß der kleinunternehmer, dessen erfolg von selbstausbeutung kommt,
seine angestellten und die anderen underdogs unter ihm, nicht nur als
kunden und knechte sieht.

daß der beamte, der, selbst unkündbar, die täglichen grausamkeiten
durchzusetzen hat, seine privilegierte stellung dem schicksal, dem
zufall, der zufälligkeiten der gesetzgebung verdankt und nicht
eigenem verdienst und deshalb sein herz und seinen verstand nicht am
schreibtisch vergißt…

usw usf. man könnte die ganze soziale hackordnung durchbuchstabieren
und immer auf den humanen kern stoßen… könnte.

also hört auf künstliche schranken zu errichten, hört auf, euch hier
anzupissen, genießt die wm, die andern sollen in der zeit von mir
aus am badesee herumlümmeln, dort ists abends jetzt sehr still, denke
ich, wann ist das schon mal so? also nutzt es, genießt es, freut
euch, aber, bitte:

ERINNERT EUCH DARAN, WENN ES DANACH WIEDER WEITERGEHT MIT
SOZIALABBAU, VERELENDUNG, LÃœGE UND GEWALT.

zieht kraft aus der freude und erinnert euch an das wir-gefühl, wenn
es etwas bedeuten soll, denn sonst ists nur n zeitweiliger
marketingerfolg der eliten, eine wenig salbe auf die wunde des
nasenrings. was es wirklich mit der wm und der freude an ihr auf sich
hat, wofür es steht oder stehen kann, das kann jeder selbst
entscheiden… (cuthbert)

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen …

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