politik / 17.09.2008

Ein Finanzsystem wie ein Kettenbrief

Einfach und drollig…
Stell Dir vor, Du kommst auf die Idee, Dir ein Wohnschiff bauen zu wollen. Du gehst zur grünen Bank, erzählst denen von Deinem Vorhaben und fragst um Geld. Eigentlich kannst Du das finanziell gar nicht wuppen. Aber man ist begeistert. Denn der Meeresspiegel steigt und der Wert von Wohnschiffen mindestens ebenso. Es ist eine Investition in die Zukunft. Man leiht Dir die Million.

Dein Wohnschiff wird gebaut, vielleicht wohnst Du auch schon drin. Du zahlst brav Deine Raten. Die grüne Bank indes verkauft Deinen Kredit in Höhe von einer Million mit einer erwarteten Wertsteigerung auf zwei Millionen für 1,5 Millionen an einen Investment Fond. Die grüne Bank hatte Dir eine Million ausgezahlt, bekommt nun dafür 1,5 Millionen und ist Deinen Schrottkredit los. Denn eigentlich kannst Du den ja gar nicht wuppen. Du zahlst weiter Deine Raten, jetzt an den neuen Besitzer des Kredits, den Investment Font. Vielleicht sogar noch auf das alte Konto bei der grünen Bank, das ist Service. Die leiten das dann weiter.

Der Investment Font kann das Paket jetzt gleich wieder weiter verkaufen, für 1,7 oder 1,8 Millionen. Man muss sehen, was der Markt her gibt. Der Alles-In-Allem Wert beträgt ja schließlich zwei Millionen. Das kann nun ewig so weiter gehen. Bis irgendwann zum Letzten in der Briefkette, der keinen Dummen Investor mehr findet.

Nun geht der Investment Font also zu der braunen Bank – man kennt sich – und fragt nach, wie viel Geld denn die braune Bank für das Paket (Dein Kredit oder auch ein Bündel mit vielen anderen Krediten) als Kredit zu geben bereit wäre. Für die braune Bank ist das genügend Bonität, um dem Investment Font 10 Millionen als Kredit zu geben.

Mit diesen frischen 10 Millionen geht der Investment Font jetzt weiter auf Einkaufstour und erwirbt erneut Kreditpakete oder Aktien an der Börse oder direkt schwache Unternehmen. Die Kurse steigen. Die Börse brummt. Hoch lebe der Kapitalismus.

Jetzt möchte auch die braune Bank mit dem erworbenen Kleine-Leute-Kreditpaket verdienen. Man teilt das Paket mit dem Investment Font zu einem neuen Collateralized Debt Obligations. Das sind Fonds, in welche Kredite von unterschiedlicher Qualität gebündelt werden. Diese Collateralized Debt Obligations werden dann als Paket weiterverkauft. Sie lassen sich sogar besser verkaufen, als Kredite an kleine Wohnschiff-Freunde.

Die braune Bank verkauft das ganze Paket an die grüne Bank. So geht das ganze Spielchen querbeet hin und her, einmal um den Globus und wieder zurück. Zwischen drin tummeln sich noch Rating-Agenturen, die Qualitäts-Siegel von Dreifach-A über Doppel-A bis hin zum einfach A verteilen. Einfach-A sind die Schrottkredite, die wohl nicht wieder reinkommen werden, weil die kleinen Kreditnehmer sie sowieso nicht hätten wuppen können.

Sobald nun die kleinen Kreditnehmer am Anfang dieser Kette ihre Hypothekenschulden nicht mehr zahlen können, wie das in den USA der Fall ist, müssten eigentlich die Werte bzw. Aktiva bei den Gläubiger-Banken entsprechend reduziert werden. Daran haben aber Investment Fonts und auch die Banken kein sonderlich großes Interesse und sie sind als Investment Font auch nicht dazu verpflichtet, weil sie keine Zahlen veröffentlichen müssen. Banken gründen aus solchen Gründen ganz gerne Investment Fonts als Tochterunternehmen.

Somit hängen im Finanzsystem Milliarden an faulen Eiern, deren echter Wert keiner so richtig kennt. Irgendwann, so wie jetzt mal wieder, fällt der Schuldenberg dann aber doch mal auf und es fängt an zu beben. Aktuell führt das an der Börse als Nebeneffekt zu einer deutlichen Entspannung des Rohölpreises. Es ist wohl derzeit kein Geld zum Spekulieren da.

Die vorletzte Rettung vor dem Schritt, das Beben einfach mal ordentlich rumsen zu lassen, ist dann ein höchst sozialistischer Eingriff von Bundes-/Notenbanken und Regierungen. Sie pumpen ordentlich Geld – meistens Steuergelder des Volkes – in das System, um es zu stützen und wieder zu stabilisieren. Bis zum nächsten Crash.

Hoch lebe der Kapitalismus… nach dem Prinzip: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.

Viel ausführlicher und auch besser kann man sich über das ganze Thema in einem einstündigen Podcast von YouFM mit “weissgarnix” aufklären lassen.

Einen Kommentar schreiben

oder einen Trackback hinterlassen: Trackback URL

Name und Email-Adresse bitte immer eintragen. Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.



  

nach oben