damals / politik / 1.10.2007

Der lange Schatten

Es war eine denkwürdige Sendung gestern abend bei Anne Will. Das Thema war in Bezug auf den Film “Die Frau vom Checkpoint Charlie“, dessen erster Teil direkt davor zu sehen war : “Unrecht vergeht nicht: der lange Schatten der DDR“.
Zu Gast waren unter anderem die betroffene Mutter Jutta Gallus-Fleck und ihre zwei Töchter, deren Schicksal im oben genannten Film erzählt wurde. Die Mischung der Gäste, ihre Positionen damals und heute, das Thema selber und vor allem die Reaktionen in den Kommentaren im Blog zur Sendung, zeigen, wie wichtig Aufarbeitung und Aufklärung im Umgang mit der DDR sind. Eigentlich ist man da noch am Anfang, besonders im Zwischenmenschlichen. Das zeigt sich ganz gut in den über 230 Kommentaren des Anne Will Blog. Dort findet sich mittlerweile ein guter Querschnitt der gesamten Gesellschaft, Ost wie West, vom Neuinteressierten, vom ewig Gestrigen, vom Desinteressierten bis hin zu Opfern des DDR Regimes, die in den Kommentaren auf ihre Geschichte hinweisen. Auch eine ehemalige Mitgefangene der oben erwähnten Mutter aus dem Film meldet sich in den Kommentaren zu Wort.

Ich habe es auch schon öfter erlebt, dass, wenn man im Gespräch auf das Thema DDR kommt, es vom ostdeutschen Gesprächspartner sehr oft mit den Worten “Es war nicht alles schlecht.” abgefrühstückt wird. Innerlich erzeugt diese Aussage bei mir immer noch völliges Unverständnis. Äußerlich kann ich es verstehen, jedoch mit der Frage “Aber zu welchem Preis?” als Reaktion gerade mit Rückblick auf den damals im Arbeiter- und Bauernstaat so oft propagierten hohen Gesellschaftsanspruch nicht nachvollziehen. Der westdeutsche Gesprächspartner reagiert meist mit deutlichem Desinteresse. So sind zumindest meine Erfahrungen im Umgang mit dem Thema, was eigentlich schade ist, denn aus Geschichte lässt sich viel lernen und z.b. neue Gefahren für die Freiheit erkennen. Und ganz nebenbei kann man sich vielleicht auch mehr in die Augen schauen.

Heute Abend gibt es nach dem zweiten Teil des Filmes, den ich übrigens für nur wenig gelungen halte, um 21:45 Uhr die Dokumentation “Die Frau vom Checkpoint Charlie”.
Die Anne Will Sendung von gestern kann man sich im Netz noch einmal anschauen: Klick

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