denkstelle
25.11.2006 / 2 Kommentare

Angst, zu sein wie Sebastian B.

Menschenhass ist ein hartes Wort, aber manchmal fühle ich mich in der Öffentlichkeit nicht wohl, weil ich zum Beispiel von so vielen Menschen umgeben bin, die glauben, die “Bild”-Zeitung wäre eine echte Zeitung. Da zweifelt man schon an der Menschheit. Es ist aber eher ein bisschen der Hass auf die Dummen und Ignoranten in der Welt, auf Leute, die keinen eigenen Gedanken fassen können und mit dem Strom schwimmen, so lange es geht. Wenn mein MP3-Player den letzten Saft aus seinem Akku gesaugt hat und ich plötzlich die Gespräche im Bus um mich höre, dann denke ich manchmal: “Jetzt könnte die Welt eigentlich untergehen und es würde den meisten Recht geschehen.” Aber wenn es nur einen guten Menschen gibt, dann ist es das nicht wert.

Ein Internet-Bekannter von Sebastian B. in einem sehr lesenswerten Interview mit Gamestar-Redakteur Fabian Siegismund bei Stern.de. Das gesamte Interview lesen.

21.11.2006 / 2 Kommentare

Zeit der Besinnung

Zumindest in manchen Medien gelangt man so langsam, nachdem erste Reflexe in der Schuldfrage wieder auf Computerspiele abzielten, zu einer differenzierteren Betrachtung.
eine kleine Auswahl:

Hilflose Gewalt (Zeit.de)

Nach dem Amoklauf eines Schülers in Emsdetten sollten wir uns Zeit nehmen nachzudenken, warum junge Menschen so verzweifeln, dass sie zu solcher Gewalt greifen.

Die unnützen Reflexe überforderter Politiker (Welt.de)

Nach dem Amoklauf an einer Realschule in Emsdetten will Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann mit einer Bundesratsinitiative ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen erreichen. Andere Politiker unterstüzten dies. “Verbot! Verbot! Verbot!” Eine altbekannte Reaktion, die keinem hilft.

Rohrkrepierer gegen Ballerspiele (Spiegel.de)

Der Amoklauf von Emsdetten war kaum beendet, da war für viele Politiker bereits klar: Killerspiele haben Sebastian B. zur Gewalt verführt. Sie müssten jetzt endlich verboten werden. Eine Forderung, die so hilf- wie wirkungslos ist. Experten sind sich einig: Kein Spiel macht ein Kind zum Mörder.

Müssen “Killerspiele” verboten werden? (Stern.de)

Ein Verbot löst nicht das Grundproblem! … Der Fall macht einmal mehr erschreckend deutlich, woran es jungen Menschen häufig fehlt: ein Umfeld, welches sich für ihren Alltag interessiert. Sie auffängt, aufbaut, erzieht und sie umsorgt.

“Ich hasse es, überflüssig zu sein” (Telepolis.de)

Die erwartbaren Reaktionen und Verdächtigen: Wieder einmal wird die Ursache des Amoklaufs in Emsdetten bei den “Killerspielen” gesucht

“Ich will R.A.C.H.E” (Telepolis.de)

Der vollständige Abschiedsbrief, den Sebastian B. im Internet hinterlassen hat, bevor er auf seinen suizidalen Rachefeldzug in seiner Schule in Emsdetten zog

“Weg mit dem Virtuellen!” Killerspieldebatte im TV in der WDR-Sendung “Hart aber Fair” (Spiegel.de)

Wer über Killerspiele diskutiert, sollte wenigstens wissen, was ein Joystick ist. Die Gäste von Frank Plasbergs “Hart aber fair”-Runde hatten jedoch nur einen Stock verschluckt. Kein Wunder: Sie waren für das brisante Thema einfach zu alt.

und im Heute-Journal vom 21.11.

Wäre schön, wenn sich auch die Volksvertreter in Berlin und in manchen Bundesländern mal die Zeit nehmen würden, zu hinterfragen. Auch wenn es – offensichtlich altersbedingt – schwer fällt.

“Ich würde ihnen gar nichts sagen. Ich würde ihnen zuhören, was sie zu sagen haben, denn das hat niemals jemand getan!” Marylin Manson in „Bowling for Columbine“

21.11.2006

Ein Kollateralschaden dieser Gesellschaft

Die meisten implodieren, besonders wieder – sicherlich auch dieses – Weihnachten über. Er explodierte. (Zum Glück nicht in dem Ausmaß, wie er es plante.)
Ein langer Weg dahin. Umfangreiche Spuren im Netz. Das ist wohl auch einmalig bis jetzt. Bemerkenswert: der öffentliche Hilferuf 2004 und sein Livejournal von September 2004 bis August 2005. Sein Abschiedsbrief sehr reflektiert. Viel findet sich von ihm, ‘ResistantX’, und über ihn im Netz. Das Internet einmal mehr als alternative Informationsquelle gegenüber der aktuell stattfindenden Medienschlacht. Allerdings nicht ohne Zensur – nicht ganz klar aus welcher Richtung. Spuren und ganze Internetseiten verschwinden aus dem Netz.
Am Ende bleiben Sprachlosigkeit und Fragen wie: Was ist mit dieser Gesellschaft los?
Und die Medien? Die “geben die Schuld den Stöckchen, mit denen er spielte. Schön blöd.” Wie schon so oft…

15.11.2006 / 1 Kommentar

Eine neue Sau im Dorf

Die Gemeinschaft von Klein-Bloggersdorf lebt von den Geschichten, die durchs Dorf getrieben werden und an denen keiner so richtig vorbei kommt. Man erinnere sich nur an die ‘Jamba’-Story. Weitere folgten. Diesmal geht es um StudiVZ.net, ein Studenten-Netzwerk, eine Online-Community, eine Datensammelbank. Wie auch immer man diese Web2.0 Blüte nennen möchte.

Eigentlich eine weitere Erfolgsgeschichte eines IT-Jungunternehmers, wären da nicht die Probleme und offenen Fragen des Datenschutzes und dem was sich in Sachen Datenhandel anbahnt, sowie das private Bild, welches sich durch z.T. selbstveröffentlichte Videos von diesem Jungunternehmer als mit Kamera bestückter Belästiger von Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln zeigt. Und dann ist da nicht zuletzt – sondern eher als Auslöser der Treiberei durchs Dorf – der Gebrauch von Stilmitteln der Nazizeit für eine Einladung, Anlass für Aufmerksamkeit und Kritik.

Ich möchte jetzt nicht alles wiederkäuern, was längst woanders gut recherchiert zusammengetragen wurde:
StudiVZ – Der Hitler-Screenshot und der Käufer Facebook
StudiVZ – Spendenaktion
(weitere Links jeweils dort)

Interessant dürfte diese Geschichte nicht nur für Studenten sein, die sich bei StudiVZ.net angemeldet haben. Es sollte jeden Internet-Nutzer sensibilisieren, wie er mit seinen persönlichen Daten und speziell mit der Weitergabe umgeht.

14.11.2006

Die Marke geht über alles

Gigantischer Schlag gegen Produktpiraterie: Der Zoll im Hamburger Hafen hat Plagiate im Wert von 383 Millionen Euro beschlagnahmt. In 117 Schiffscontainern fanden die Ermittler Hunderttausende gefälschte Schuhe, dazu Uhren, Textilien und Spielzeug. Die Ware kam aus Asien. … Im Detail geht es um 101 Container mit 945.384 Paar gefälschten Nike-Sportschuhen und 14 Container mit 139.116 Paar Sportschuh-Plagiaten anderer Markenhersteller. Allein sie wären im Original 136 Millionen Euro wert. In zwei weiteren Containern sicherten die Ermittler 76.760 Stück gefälschte Uhren (232 Millionen Euro), 1454 Stück gefälschte Spielzeuge und 8460 Stück Softair-Waffen (466.620 Euro) sowie 123.600 Stück gefälschte Textilien (13 Millionen Euro). (mehr/quelle)

Die beschlagnahmte Ware wird seit heute im Shredder vernichtet. Ein Großteil davon soll anschliessend in der Müllverbrennungsanlage verbrannt werden.
Kann man sich in Zeiten knapper werdender Rohstoffe, zunehmender Umweltprobleme und steigender Armut nicht etwas anderes einfallen lassen? Wie wäre es damit, die Kleidung und Schuhe für wenig Geld an Bedürftige zu verkaufen? Die Gewinne daraus gehen an die Markeninhaber. Das wäre wenigstens sozial, umwelt- und rohstoffschonend gewesen.

13.11.2006 / 6 Kommentare

Lebe Dein Leben

Für manche Menschen wird die Auseinandersetzung mit diesen schlauen Sprüchen über das Leben leben schnell zur bitteren Realität. Urplötzlich haben sie nichts mehr zu verlieren, da sie nur noch verlieren können. Viel zu schnell und viel zu früh. Was tun? Ohnmacht.
Oder einfach nur noch tun, wovon man träumte, worauf man Lust hat. Aber sollte man das nicht eigentlich sowieso. Soweit es geht, schon.

8.11.2006 / 4 Kommentare

WoW Spieler im Jahre 2030

wow.jpg
Sieht so der Konsum von virtuellen Welten wie der World of Warcraft in der Zukunft aus? (via)
Nachtrag: Das Bild ruft vergleichsweise grosses Interesse hervor. Deshalb habe ich noch einmal nach dem Macher dieses Werkes gesucht. Der Künstler heisst ‘pyxelated’. Auf seinem Deviantart.com-Account gibt es das Bild in der Auflösung 1920×1200 Pixel. Hier entlang.
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